Repräsentative Befragung: Zeitarbeit – wer sie wie beurteilt

Das Thema Zeitarbeit wird in Deutschland recht kontrovers diskutiert. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Bewertung der Leiharbeit unterschiedlich ausfällt, je nachdem, ob die Befragten selbst schon Erfahrungen damit gemacht haben oder nicht.

Nach im Juli 2019 veröffentlichten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit war hierzulande durchschnittlich eine Million Zeitarbeitnehmer beschäftigt, das ergibt einen Anteil von circa drei Prozent an der deutschen Gesamtbeschäftigung.

Abweichende Meinungen von Leiharbeitern, ehemaligen Zeitarbeitern und Festangestellten

Im September 2019 befragte die Personalberatung Page Personnel 1000 Personen in Deutschland repräsentativ nach ihrer Einstellung zu Zeitarbeit. Danach bewertete fast die Hälfte der Teilnehmer (47,9 Prozent), die zu diesem Zeitpunkt in einem Leiharbeitsverhältnis standen, Zeitarbeit positiv. Von den ehemaligen Zeitarbeitern gab lediglich gut ein Drittel (35,6 Prozent) eine positive Meinung ab. Die wenigsten positiven Beurteilungen kamen von Festangestellten; von ihnen messen nur 16,8 Prozent der Zeitarbeit eine positive Bedeutung zu. Mit 53,3 Prozent schätzen die meisten dieser Gruppe das Thema neutral ein. Von den Zeitarbeitnehmern gaben dies 35 Prozent an, von den ehemaligen Leiharbeitern 38,4 Prozent. Festangestellte sind die Gruppe, die Leiharbeit mit 29,9 Prozent am häufigsten negativ bewertet. Es folgen ehemalige Zeitarbeiter mit 26 Prozent. Von den Befragten, die gerade selbst in einem Leiharbeitsverhältnis tätig waren, sahen 17 Prozent das Thema negativ.

Festangestellte, die sich näher über Zeitarbeit informiert haben, sind positiver eingestellt als andere

Die unterschiedliche Auffassung gegenüber Zeitarbeit der verschiedenen Studienteilnehmer liegt nach Ansicht von Pablo Galan, Managing Director bei Page Personnel, vor allem an fehlendem Wissen über Zeitarbeit. Viele Menschen verbänden das Thema aus Unwissenheit mit Dumpinglöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen – ein Bild, das heute in den meisten Fällen nicht mehr zutreffe, da sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren dank stärkerer gesetzlicher Regulierungen wie dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz deutlich verbessert hätten. Laut Studie bewerten die Festangestellten, die sich bereits ausführlich mit dem Arbeitsmodell befasst haben, Zeitarbeit dreimal so häufig positiv wie jene, die dies noch nicht getan haben. Auch schließt nur jeder Sechste von jenen, die sich tiefergehend über Zeitarbeit informiert haben, dieses Modell für sich aus, während es bei denen, die keinen Bezug zum Thema haben, vier von zehn sind.

Zeitarbeit ist heute nicht mehr nur ein Weg aus der Arbeitslosigkeit, sondern kann insbesondere im qualifizierten Bereich die Antwort auf die unterschiedlichsten Situationen im Arbeitsleben darstellen, wie zum Beispiel als Berufseinstieg, -wiedereinstieg oder -wechsel,

so Galan. Das spiegle sich auch in der Zufriedenheit von Zeitarbeitern wider. Von den Zeitarbeitern sind 80,9 Prozent mit ihrer derzeitigen beruflichen Tätigkeit zufrieden, von den Festangestellten sagen dies 90,4 Prozent.

Arbeitnehmerüberlassung längst nicht mehr nur im fertigenden Gewerbe

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Anzahl an Zeitarbeitnehmern im fertigenden Gewerbe in den letzten Jahren zurückgegangen, hat sich aber gleichzeitig in den Dienstleistungsberufen erhöht. Diese Tendenz spiegelt auch die Studie wieder: 47,5 Prozent der befragten Zeitarbeitnehmer sind im Rahmen von gewerblicher Zeitarbeit tätig gegenüber 52,5 Prozent innerhalb der qualifizierten oder kaufmännischen Zeitarbeit. Leiharbeit etabliere sich branchenübergreifend als fester Bestandteil des Arbeitsmarkts und decke mittlerweile ein breites Spektrum an Berufen sowie die verschiedensten Qualifikationsniveaus ab, so die Studie. Dies werde auch von den Befragten wahrgenommen: 56,3 Prozent der Zeitarbeitnehmer und 56,4 Prozent der früheren Leiharbeiter stimmen der Aussage zu, dass Zeitarbeit für hochqualifizierte und ambitionierte Menschen gute Chancen bietet. Von den Festangestellten teilen 42,2 Prozent diese Ansicht.
Weitere Studienergebnisse stehen als > Download zur Verfügung.

Von: Ute Wolter

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