Future Talents Report: Wie heutige Praktikanten ticken

Die aktuelle Klimadiskussion schlägt sich auch in der Arbeitswelt nieder: Praktikanten in Deutschland fühlen sich in umweltbewussten Unternehmen deutlich wohler. Wenn es um ihre Erwartungen an künftige Arbeitgeber geht, wünscht sich die jüngste Arbeitsmarktgeneration viel Autonomie und genug Zeit fürs Privatleben.

Von den Praktikanten hierzulande, die in umweltbewussten Unternehmen arbeiten, zeigen sich 93 Prozent mit ihrem Arbeitsverhältnis zufrieden. Bei nicht umweltbewussten Arbeitgebern ist der Anteil der Zufriedenen mit 48 Prozent fast nur halb so groß. Auch würden sich 96 Prozent des Nachwuchses in ökologisch ausgerichteten Unternehmen wieder bewerben. Bei weniger umweltbewussten Firmen liegt der Anteil mit gut drei Viertel (78 Prozent) zwar auch hoch, aber gut ein Fünftel niedriger. Das geht aus dem aktuellen „Future Talents Report“ von Clevis hervor. Für die Studie wurden 2019 von Mai bis Oktober 4624 Nachwuchskräfte befragt, die im letzten Jahr Berufserfahrungen in einem Praktikum oder als Werkstudent gesammelt haben. Die Praktika dauerten im Schnitt 4,8 Monate.

Sinnstiftung ist ein zentraler Motivator für junge Menschen bei der Arbeitgeberwahl. Unternehmen, die sozial und ökologisch handeln, sind daher zunehmend attraktiv für sie,

kommentiert Kristina Bierer von Clevis Consult die Ergebnisse. Unternehmen müssten sich darauf einstellen, dass sie von den jungen Jobsuchenden auch daraufhin bewertet und ausgewählt werden.

Beim Berufseinstieg legt der Nachwuchs am meisten Wert auf Work Life Balance

Bei der Wahl des ersten Arbeitgebers legen die jungen Menschen am meisten Wert auf eine ausgewogene Work Life Balance. Zu den wichtigsten Kriterien gehören außerdem die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und eine agile Arbeitsweise. Für sich selbst wünscht sich der Mitarbeiternachwuchs vor allem einen hohen Grad an Autonomie in der täglichen Arbeit und die Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere. Geht es darum, sich zwischen zwei Stellenangeboten zu entscheiden, sind das Gehalt und die Arbeitsinhalte für die Befragten die Hauptargumente: Jeweils gut zwei Drittel (69 Prozent) gaben dies an. An zweiter Stelle steht mit 42 Prozent die Unternehmenskultur, wobei aus der Studie nicht explizit hervorgeht, inwiefern hier die Umweltaspekte eine Rolle spielen. Weniger relevant sind hingegen spezifische Benefits (16 Prozent) und die Unternehmensgröße (neun Prozent). Die Erfahrungen, die sie im Bewerbungsprozess machen, spielen aus Praktikantensicht sogar nur für vier Prozent eine Rolle.

Die meisten Befragten sind mit ihrer Vergütung zufrieden

Die Studienteilnehmer wurden auch nach ihrem Praktikantengehalt und zu anderen Aspekten befragt. Derzeit verdienen Praktikanten durchschnittlich 1053,22 Euro, etwas mehr als 2019 (1027,77 Euro). 2018 fiel die Vergütung mit 1098,67 Euro höher aus, ein Jahr zuvor betrug sie 1032,52 Euro. Auf einer Skala von eins (sehr unzufrieden) bis fünf (sehr zufrieden) bewerten die Befragten ihre aktuelle Gehaltshöhe im Mittel mit einem Wert von 4,52. Mit 91 Prozent erhält die Mehrheit keine Bonuszahlungen, zwei Drittel bekommen keine Essenszulagen und 54 Prozent können die Freizeitangebote, die festen Mitarbeitern zur Verfügung stehen, nicht nutzen.

Gut vier von zehn Praktikanten machen Überstunden

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass mit 44 Prozent fast die Hälfte der Praktikanten regelmäßig Überstunden macht – im vergangenen Jahr war es erst ein Drittel. Dabei haben 88 Prozent und damit die meisten die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibel zu handhaben. Im Home Office arbeiten kann etwa jeder Vierte (27 Prozent). Weiterbildungsangebote während des Praktikums erhält knapp jeder Zweite. Gespräche über eine mögliche künftige Festanstellung finden bei weniger als der Hälfte der Befragten (45 Prozent) statt. Etwas mehr als jeder Zweite (53 Prozent) hat nach dem Praktikum keinen Kontakt mehr zum Unternehmen.

Die vollständige Studie kann > hier zum Download bestellt werden.

Von: Ute Wolter
Foto: © bluedesign/StockAdobe